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Öffentliche Vortragsreihe

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Alles im Blick? Interdisziplinäre Vortragsreihe Nachhaltigkeit

Von grüner Chemie über nachhaltige Technik hin zu sozialer Gerechtigkeit und Naturphilosophie. Die interdisziplinäre Vortragsreihe führt Nachhaltigkeit zum Wintersemester 2021/22 als Querschnittsthema aller Fachbereiche ein.

Hintergrund der Vortragsreihe:

Klimawandel, Ungleichheiten oder Ressourcenverschwendung: Keine Nachhaltigkeitsherausforderung kann von einer Disziplin alleine gelöst werden. Eine Vielfalt an Perspektiven und interdisziplinäre Ansätze sind notwendig, um die Nachhaltigkeitsherausforderungen umfassend und effektiv anzugehen.

Das Team hinter der Vortragsreihe versteht Nachhaltigkeit als einen kontinuierlichen Prozess hin zu einer ökologisch tragfähigen und sozial gerechteren Gesellschaft, in der den Bedürfnissen heute lebender und zukünftiger Generationen Rechnung getragen wird. Mit diesem Verständnis geht es im Laufe der Vortragsreihe darum, natur-, sozial- und geisteswissenschaftliche sowie technische Ansätze zur Nachhaltigkeit kennenzulernen, Synergien, Konflikte und offene Fragen zu entdecken und durch den Austausch gemeinsam von und mit den Referent*innen und teilnehmenden Studierenden zu lernen.

Regelmäßiger Termin:

Die Vortragsreihe findet vom 20.10.2021 bis 09.02.2022, Mittwochs, 18.00 – 19.30 Uhr im Live-Stream, übertragen aus der Universitätsbibliothek, statt.

Link zum Livestream

 

Veranstaltungstermine im Überblick

20.10.2021: Nachhaltigkeit Unlimited? Der Nachhaltigkeitsdiskurs im Wandel

Nachhaltigkeit Unlimited? Der Nachhaltigkeitsdiskurs im Wandel

Prof. Dr. Daniela Kleinschmit, Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit, Universität Freiburg

Der aktuelle und nahezu allgegenwärtige Nachhaltigkeitsdiskurs hat eine lange Historie und ist politisch seit mehreren Jahrzehnten fest verankert. Dieser Einführungsvortrag startet mit einem Überblick über die Entwicklung des internationalen und deutschen politischen Diskurses zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Dass sich das Verständnis und die Schwerpunkte von Nachhaltigkeit über die Zeit gewandelt haben, wird anhand verschiedener Modelle und Konzepte der Nachhaltigkeit nachgezeichnet und kritisch beleuchtet. Prof. Kleinschmit zeigt dabei die normativen Erwartungen an eine inter- und transdisziplinäre sowie transformative Nachhaltigkeitsforschung auf und unterfüttert diese mit Beispielen. Gleichzeitig nennt und diskutiert sie die damit in Zusammenhang stehenden Nachhaltigkeitsherausforderungen. 

 

Nachhaltige Universität Freiburg

Lora Gyuzeleva, Nachhaltigkeitsmanagerin Universität Freiburg

Von Ökostrom und PV-Anlagen über nachhaltige Geldanlagen bis hin zum Ideenwettbewerb zur Abfallvermeidung - die Universität Freiburg engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich Nachhaltigkeit. Lora Gyuzeleva gibt einen Einblick in die Nachhaltigkeitsziele, den Ist-Stand auf Grundlage des Umweltberichts und aktuelle Projekte.

 

Zertifikat Nachhaltigkeit: Programmvorstellung

Um was geht es beim Zertifikat Nachhaltigkeit? Was sind Lernziele, wie läuft eine Teilnahme ab? Christoph Pfisterer, Projektkoordinator Zertifikat Nachhaltigkeit, und zwei Vertreter*innen des studentischen Nachhaltigkeitsbüros stellen das neue, freiwillige und zusätzliche Zertifikatangebot der Universität Freiburg vor.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 20. Oktober

27.10.2021: Grüne Chemie, nachhaltige Pharmazie: Grundlagen, Möglichkeiten, Herausforderungen

Prof. Dr. Michael Müller, Professur am Lehrstuhl für Pharmazeutische und Medizinische Chemie am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Freiburg

Eine grüne, nachhaltige Chemie ist eine Voraussetzung für die Lösung zahlreicher Nachhaltigkeitsherausforderungen wie z.B. der Entwicklung einer Kreislaufwirtschaf sowie neuer Produkte, die bereits existierende, umwelt- und gesundheitsschädliche Produkte ersetzen. Prof. Michael Müller führt in die 12 Prinzipien der grünen Chemie ein und diskutiert im Anschluss Bausteine einer nachhaltigen Pharmazie, für die es bisher noch kein etabliertes Konzept gibt.

Nachhaltige Pharmazie hat das Ziel, effektive Therapien unter Berücksichtigung von Umwelt-, sozialen und wirtschaftlichen Kriterien bereitzustellen. Die Prinzipien der grünen Chemie sowie die Analyse globaler pharmazeutischer Lieferketten sind hierbei wichtige Aspekte, doch reichen nicht aus, um die komplexen Wechselwirkungen im Gesundheitssystem zu erfassen. Eine Unterscheidung zum Konzept der “grünen Pharmazie” hilft hierbei, Nachhaltigkeit und Nicht-Nachhaltigkeit klarer zu definieren.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 27. Oktober

03.11.2021: Plastik, Beton und Holz – die stoffliche Seite der Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Stefan Pauliuk, Professor für nachhaltiges Energie- und Stoffstrommanagement  der Universität Freiburg

Energieflüsse und Stoffströme sind für die Abdeckung unterschiedlichster menschlicher Bedürfnisse zentral, sie sind jedoch auch wesentliche Treiber globaler Umweltveränderungen. Die Herstellung von Materialien wie z.B. Zement, Stahl, oder Plastik verursacht ca. ein Viertel aller technischen Treibhausgasemissionen. Der Wissenschaftsbereich ‚Nachhaltiges Energie- und Stoffstrommanagement‘ zeigt die historischen und gegenwärtigen Zusammenhänge zwischen menschlichen Bedürfnissen, Material- und Energienutzung und die aus dieser Nutzung entstehenden Umweltprobleme auf und entwickelt detaillierte Szenarien für die Entkopplung der Bedürfnisabdeckung von globalen Umweltveränderungen. Der Vortrag gibt eine Übersicht über das Forschungsgebiet und stellt zentrale gesellschaftlich relevante Ergebnisse anschaulich dar.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 3. November

10.11.2021: ***ABGESAGT ***Nachhaltige Nutzung von Ökosystemen zwischen Anspruch und Wirklichkeit ***ABGESAGT***

Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Leitung der Professur für Waldbau am Institut für Forstwissenschaften der Universität Freiburg

Nachhaltige Ökosysteme stellen die Schnittmenge zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen an Ökosystemleistungen und der Fähigkeit der Ökosysteme, diese Leistungen zu erbringen dar. Sowohl die gesellschaftlichen Ansprüche als auch die Fähigkeit der Ökosysteme sind hochdynamisch, vor allem vor dem Hintergrund des globalen Wandels. Daher sind nachhaltige Ökosysteme ebenfalls ein „moving target“, dem wir als Gesellschaft nur ständig hinterherlaufen können. Prof. Bauhus diskutiert Ansätze einer nachhaltigen Nutzung von Ökosystemen, die zum Ziel haben, zukünftigen Generationen noch die gleichen bzw. ähnliche Optionen zur Nutzung der Ökosysteme zu bieten. Dabei führt er in das Konzept der Ökosystemleistungen ein, thematisiert die Auswahl von Systemgrenzen und die Schwierigkeit, Nachhaltigkeit zu definieren.

Der Vortrag fällt heute aus.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 10. November

17.11.2021: Nachhaltigkeitsbewertung von technischen Systemen

Prof. Dr. Anke Weidlich, Leitung der Professur für Technologien der Energieverteilung am INATECH der Universität Freiburg

Was sind Kriterien für nachhaltige technische Systeme? Eine nachhaltige Zukunft setzt technische Systeme voraus, die neben einem geringen CO2-Fußabdruck auch wirtschaftliche, soziale und weitere ökologische Kriterien erfüllen.

Anke Weidlich führt in die integrative Nachhaltigkeitsbewertung von technischen Systemen auf Basis quantitativer Indikatoren ein.  Am Fallbeispiel des Energiesystems zeigt sie, dass ambitionierte Emissionsreduktionsszenarien insgesamt top Nachhaltigkeitsbewertungen erreichen können – doch die Ergebnisse der Modellierung sind abhängig von der Auswahl der Indikatoren und deren Gewichtung. Anke Weidlich diskutiert die Herausforderungen bei der Bewertung technischer Systeme und erläutert die Bedeutung nachhaltiger Energiesysteme für die Nachhaltigkeit anderer technischer Systeme.  

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 17. November

24.11.21: Radeln, Auto fahren oder Fliegen? Praktiken von (Nicht-) Nachhaltigkeit aus soziologischer Perspektive

Prof. Dr. Nina Degele, Leitung der Professur für Soziologie und empirische Geschlechterforschung am Institut für Soziologie der Universität Freiburg

(Nicht-) Nachhaltigkeit ist stets mit konkreten Handlungen im Alltag verbunden: Geht der nächste Ferienausflug mit dem Rad durch den Schwarzwald oder mit dem Flugzeug nach Griechenland? Welche Praktiken sollen auf dem Weg zu einem nachhaltigen Entwicklungspfad für wen, zu welcher Zeit, warum und in welcher Form bewahrt werden? Wer profitiert davon? Wer zahlt die Kosten? Bei der Bewältigung des Klimawandels prallen unterschiedliche Zielsetzungen aufeinander: CO2-Emissionen sollen reduziert werden, bezahlbar sein und gleichzeitig Lebensstile nicht beeinträchtigen. In der Soziologie bieten Praxistheorien einen Blick auf die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Strukturen und individuellen Handlungen. Nina Degele zeigt am Beispiel von Reisepraktiken, wie Vorstellungen ‚richtigen‘ Reisens, ökonomische Bedingungen und kulturelle Wertemuster miteinander verbunden sind.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 24. November

01.12.2021: Informieren, alarmieren, aktivieren? Mediale Nachhaltigkeitskommunikation im Anthropozän

Prof. Dr. Evi Zemanek, Professorin für Medienkulturwissenschaft mit den Schwerpunkten Medienökologie und Medienkomparatistik

Informieren, alarmieren, aktivieren? Mediale Nachhaltigkeitskommunikation im Anthropozän

Ressourcenerschöpfung, globaler Klimawandel und Artensterben sind im öffentlichen Diskurs omnipräsent. Dies verdanken wir vor allem den Medien, die Missstände thematisieren und politische Entscheidungen kommentieren. Heute ist darüber hinaus jedoch weit mehr von Journalist*innen gefragt: Handlungsoptionen für eine ökosoziale Transformation vorzustellen, Macht und Verantwortung des Menschen im Anthropozän zu diskutieren und eine nachhaltigere Zukunft zu imaginieren. Evi Zemanek skizziert verschiedene Strategien medialer Nachhaltigkeitskommunikation, die zwischen Utopie und Dystopie changieren und versuchen, Ansätze von Aufklärung und Appell, Wissenspopularisierung und Unterhaltung auszubalancieren. Diskutiert werden Prinzipien und Potenziale eines grünen, nachhaltigen Journalismus in unserer gegenwärtigen Medienkultur, deren eigene Nachhaltigkeit angesichts ihres ökologischen Fußabdrucks auf dem Prüfstand steht.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 1. Dezember

08.12.2021: Geschichte(n) der Nachhaltigkeit: Mensch und Umwelt aus historischer Perspektive

Prof. Dr. Melanie Arndt, Direktorin des Lehrstuhls für Wirtschafts-, Sozial-  und Umweltgeschichte am Historischen Seminar der Universität Freiburg

„Aus der Geschichte lernen“, heißt es oft im öffentlichen Diskurs. Doch inwieweit ist das überhaupt möglich? Was haben heutige politische oder auch wissenschaftliche Debatten zur Nachhaltigkeit mit Geschichte zu tun? Die Vorlesung setzt sich zum Ziel, zu zeigen, warum es sich lohnt, sich mit Kontinuität und Wandel von Nachhaltigkeit in der Geschichte auseinanderzusetzen und mehr über Hans Carl von Carlowitz zu wissen, als dass er den Begriff „nachhaltig“ prägte. Warum wurde Nachhaltigkeit ausgerechnet im 17. Jahrhundert zum Thema? Welche Probleme sollte sie lösen und für wen galt diese „pflegliche“ Wirtschaftsweise?

Die Vorlesung verfolgt Ideen, Umsetzungen und Grenzen von Nachhaltigkeit vom 16. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert. Sie fragt danach, welche Rolle historische Zäsuren wie die „Entdeckung“ Amerikas, die Erfindung der Dampfmaschine oder die Aufteilung der Welt im Kalten Krieg für unser Verständnis von Nachhaltigkeit spielen und geht dabei auch auf kontroverse Debatten in der (Umwelt-)Geschichte ein.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 8. Dezember

15.12.2021: Governance für Nachhaltigkeit – wie steuern in Richtung Nachhaltigkeit?

Prof. Dr. Michael Pregernig, Leitung der Professur für Sustainability Governance am Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg

Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik haben in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Gestaltwandel durchlaufen – hinsichtlich der beteiligten staatlichen und nichtstaatlichen Akteure, der eingesetzten Steuerungsstrategien, der relevanten Ebenen und der dominanten Diskurse etc.. Ursachen und Ausprägungsformen dieses Gestaltwandels werden oft am Begriff der „Governance“ festgemacht. Michael Pregernig wird in dieser Einheit einmal die Karriere des Begriffs „Governance“ kritisch beleuchten und in unterschiedliche Konzepte von Governance einführen: vom bedeutungsleeren Modewort über die normative Lesart des „good governance“ bis zu analytischen und kritischen Interpretationen. Festgemacht an den spezifischen Problemstrukturen nachhaltigkeitspolitischer Problemlagen werden des Weiteren die Spezifika von Governance in der Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik herauszuarbeiten versucht. Anhand ausgewählter Beispiele wird der Frage nachgegangen, inwieweit die mit dem Konzept der „Governance für Nachhaltigkeit“ verbundenen Erwartungen und Versprechungen, insbesondere hinsichtlich erhöhter Legitimität und Effektivität, tatsächlich realisierbar sind.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 15. Dezember

22.12.2021 Energiewende und soziale Gerechtigkeit

Tandemvortrag mit Prof. Dr. Hans-Martin Henning, Inhaber der Professur für Solare Energiesysteme am INATECH der Universität Freiburg und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg & PD Dr. Philipp Späth, Professor für Sustainability Governance am Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg

Prof. Dr. Hans-Martin Henning: Auf dem Weg in eine klimaneutrale Energieversorgung - Transformationspfade für die deutsche Energiewende


Prof. Hans-Martin Henning stellt mögliche Entwicklungen des deutschen Energiesystems von heute bis zur Mitte des Jahrhunderts dar, die zu einer Reduktion energiebedingter CO2-Emissionen um 55 % bis 65 % bis 2030 und 95 % bis 100 % zum Jahr 2050 gegenüber dem Vergleichswert aus dem Jahr 1990 führen. Basis der Untersuchungen bildet eine techno-ökonomische Optimierung unterschiedlicher Transformationspfade. Neben Fragen der technischen Machbarkeit und der Kosten spielt gesellschaftliches Verhalten eine maßgebliche Rolle dafür, ob und in welcher Form eine Umsetzung der Energiewende gelingen wird. Um diesem Aspekt Rechnung zu tragen, werden im Vortrag unterschiedliche Entwicklungen dargestellt, bei denen jeweils unterschiedliche gesellschaftliche Verhaltensweisen und Einstellungen eine dominante Rolle spielen und somit den Rahmen für die weitere Entwicklung der Energiewende vorgeben.

PD Dr. Philipp Späth: Ist die Energiewende gerecht? Und wer sollte das, wie, beurteilen?

In Diskussionen über Strategien und Maßnahmen zur Klimaneutralität wird zunehmend Gerechtigkeit als gestaltendes Prinzip eingefordert. Philipp Späth, Koordinator des deutschen Beitrags zum internationalen Forschungsprojekt „Reconfiguring Energy for Social Equity“ (ReSET), wirft einen sozialwissenschaftlichen Blick auf die Energiewende in Deutschland: Welche Gerechtigkeitsüberlegungen fließen in die aktuelle Debatte ein? Von wem wurden Aspekte der Gerechtigkeit in den politischen Prozess eingebracht und wie wurden sie auf Stichhaltigkeit überprüft? Späth argumentiert, dass neben einer soliden Faktenbasis und technisch-ökonomischen Alternativen auch die ethische Bewertung von Verteilungswirkungen für energiepolitische Entscheidungen zentral ist. Der Vortrag gibt einen Ausblick, wie energiepolitische Entscheidungen zukünftig noch demokratischer und weitsichtiger getroffen werden können, um Gerechtigkeitsansprüche in der Gesellschaft systematisch und transparent aufzunehmen.  

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 22. Dezember

12.01.2022: Klimawandel und Recht

Tandemvortrag mit Prof. Dr. Andreas Christen, Leitung der Professur für Umweltmeteorologie am Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften und Institut für Forstwissenschaften der Universität Freiburg & Prof. Dr. Jens-Peter Schneider, Professor für Öffentliches Recht mit Europäischem Verwaltungs-, Informations- und Umweltrecht am Institut für Medien- und Informationsrecht der Universität Freiburg

Prof. Dr. Andreas Christen: Was geschieht mit unseren CO2-Emissionen im globalen System?

Jedes Jahr emittieren wir Menschen vierzig Gigatonnen (das sind 40000000000 t) zusätzliches CO2 in die Atmosphäre mit den Folgen eines sich weiter verstärkenden globalen Treibhauseffektes und des damit ausgelösten Klimawandels. Diese menschgemachte, bedeutende Veränderung der Atmosphäre wird seit nahezu fünfzig Jahren hier in Freiburg auf dem Schauinsland beobachtet, wo die gemessene Konzentration des CO2 stetig ansteigt. Doch Daten vom Schauinsland zeigen auch, dass sich zurzeit nur die Hälfte des vom Menschen emittierten CO2 in der Atmosphäre anreichert – die andere Hälfte wird von Ozeanen und Landpflanzen aufgenommen. Können wir uns auch in Zukunft auf Landpflanzen und Ozeane verlassen, die einen Teil unserer Emissionen aufnehmen? Können Emissionsreduktionen lokal und global detektieren? Der Vortrag folgt unseren CO2 Emissionen im globalen Kohlenstoffkreislauf und zeigt, wie die Uni Freiburg in internationaler naturwissenschaftlicher Zusammenarbeit, z.B. in der Europäischen Forschungsinfrastruktur „Integrated Carbon Observation System (ICOS)“ beiträgt, dass wir die CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre global bestimmen, unsere CO2 Emissionen und Emissionsreduktionen erfassen und quantifizieren, aber auch die Aufnahme des CO2 durch Landpflanzen messen und modellieren.

 

Prof. Dr. Jens-Peter Schneider: Vom Pariser 2°-Ziel zum Klimaschutzgesetz: Rechtliche Grundlagen des Klimaschutzes in Deutschland

Klimaschutzaktivist*innen rufen weltweit zunehmend Gerichte an, um Regierungen zur Verabschiedung und Umsetzung von weitreichenden Klimaschutzmaßnahmen rechtlich zu verpflichten. In Deutschland entschied das Bundesverfassungsgericht am 24.3.2021 auf eine Verfassungsbeschwerde hin, dass die Regelungen des nationalen Klimaschutzgesetzes vom 12.12.2019 teilweise mit den Grundrechten der jungen Beschwerdeführenden unvereinbar sind.

Welche Rechtsgrundlagen spielen eine Rolle für den Klimaschutz in Deutschland? Prof. J. P. Schneider führt in die internationalen, europäischen und deutschen Rechtsgrundlagen ein und diskutiert die Klimaentscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 24.3.2021.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 12. Januar

19.01.2022: Artenvielfalt, Ernährung und Gesundheit

Tandemvortrag mit Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Leitung der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie am Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften der Universität Freiburg & Prof.  Dr. med. Roman Huber, Leitung des Uni-Zentrums Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg und FA für Innere Medizin und Gastroenterologie, Ernährungsbeauftragter Arzt

Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein: Biodiversität und Ernährung: Warum sind wilde Bestäuber wichtig?
Ein Großteil unserer Lebensmittel ist mit Biodiversität verknüpft. Anhand der Bestäubung von Kulturpflanzen wird in dem Vortrag beleuchtet, warum es nicht ausreicht auf eine Biene, die Honigbiene, als eine von 20.000 Wildbienenarten, zu setzen, um die Bestäubungsleistung nachhaltig zu sichern. Ein naturnahes Management der Agrarlandschaft ist nötig, um Artenvielfalt für die pflanzliche Lebensmittelproduktion zu nutzen. Die Bestäubung durch Vielfalt bringt Sicherheit im Klimawandel. Weiter kann die Bestäubungsweise die Mikronährstoffzusammensetzung und damit Qualität von Früchten beeinflussen. In einer Welt ohne Bienen und andere blütenbesuchende Insekten, würden uns essentielle Vitamine verloren gehen. Wollen wir diese zukünftig durch Chemie ersetzen? Mit dieser und weiteren Fragen im Spannungsfeld Landwirtschaft, Biodiversität und Ernährung werden sich die Zuhörer an diesem Abend beschäftigen.

 

Prof. Dr. med. Roman Huber: Was ist gesunde Ernährung?                                                                            Welche Nahrungsmittel spielen welche Rolle für Gesundheit und Krankheit? Prof. Huber bietet einen Überblick über die Rolle von Nahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft, ihren Einfluss auf Gesundheit und Krankheit und nimmt hierbei mehrere Perspektiven ein: Was sollten Menschen mit westlichem Lebensstil besonders berücksichtigen? Welche Besonderheiten gelten in sogenannten „Entwicklungsländern“, und welche individuellen Faktoren spielen eine Rolle für eine gesunde Ernährung?

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 19. Januar

26.01.2022: Ungleichheit und Umweltgerechtigkeit

Prof. Dr. Manuela Boatcă, Leitung der Professur für Soziologie mit Schwerpunkt Makrosoziologie am Institut für Soziologie der Universität Freiburg & Prof. Dr. Hartmut Fünfgeld, Inhaber des Lehrstuhls für Geographie des Globalen Wandels am Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg

Prof. Dr. Manuela Boatcă: Koloniale Ursachen heutiger Umweltkrisen am Beispiel der Karibik

Die jahrhundertelange Plantagenökonomie in der Karibik hat bis heute nicht nur sozio-ökonomische, sondern auch zunehmende ökologische Folgen. Durch Rodungen und Entwaldung wurde die Bodenfestigkeit angegriffen und so die Vulnerabilität gegenüber Hurrikanen erhöht. Umwelthistoriker*innen haben unlängst dargelegt, dass Zuckerrohrplantagen, für die karibische Inseln ab dem 17. Jahrhundert fast vollständig abgeholzt wurden, auch für einen starken Anstieg von Erdrutschen verantwortlich sind. Im Vortrag werden heutige Strategien des Umgangs mit diesen Folgen in unabhängigen wie noch kolonisierten Gebieten der Karibik erörtert und der Zusammenhang mit den Möglichkeiten transnationaler Mobilität diskutiert. 

Prof. Dr. Hartmut Fünfgeld: Umweltgerechtigkeit: Soziale Bewegung und transdisziplinäre Forschungsperspektive

Im Kampf gegen den anthropogenen Klimawandel, den Raubbau an der Natur und die Marginalisierung lokaler und indigener Lebensweisen sind Fragen der Umweltgerechtigkeit in den letzten Jahren auch hierzulande stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Sozialen Bewegungen, Nichtregierungsorganisationen und zusehends auch Wissenschaftler*innen dient Umweltgerechtigkeit als transdisziplinärer Handlungs- und Forschungsrahmen, der Ungerechtigkeiten an der Schnittstelle von Gesellschaft-Umwelt-Problemen anmahnt und differenzierte Perspektiven auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und soziale Benachteiligung eröffnet. Der Vortrag führt aus der Perspektive humangeographischer Forschung in die Ursprünge, Potenziale und Herausforderungen von Umweltgerechtigkeitsansätzen ein. 

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 26. Januar

02.02.2022: Wirtschaft und Klimawandel

Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Freiburg und Direktor des Walter Eucken Instituts Freiburg & Prof. Dr. Nina Degele, Leitung der Professur für Soziologie und empirische Geschlechterforschung am Institut für Soziologie der Universität Freiburg

Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld: Der ökonomische Weg zu einem effektiven Klimaschutz

Der Klimaschutz rückt immer stärker in den Mittelpunkt der Politik. Waren zu Beginn der Corona-Pandemie noch Befürchtungen laut geworden, dass die Klimapolitik nun wieder in den Hintergrund treten sollte, hat sich in Deutschland und Europa doch ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz gezeigt. In diesem Vortrag legt Prof. Lars Feld aus ökonomischer Sicht dar, was die wichtigsten politischen Schritte zur Erreichung der Klimaziele ab der kommenden Legislaturperiode sind. Dabei stehen die CO2-Bepreisung und die Etablierung eines effektiven internationalen Klima-Clubs im Zentrum dieser Überlegungen. Begleitende Maßnahmen zur Kompensation von Belastungen durch die CO2-Bepreisung, zur Beförderung des erforderlichen technologischen Wandels in der Industrie und zur Forschung im Bereich klimafreundlicher Technologien komplementieren diese Politik.

Prof. Dr. Nina Degele: Teurer als Geld: Die Externalisierung von sozialen und Umweltkosten im Kapitalismus

Die Folgen des Klimawandels kosten immer mehr: 2021 wird mit großer Wahrscheinlichkeit das teuerste Schadensjahr für Versicherer werden; spätestens mit dem Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz ist der Klimawandel auch im Bewusstsein der Deutschen als Krise angekommen.

Kapitalismuskritiker*innen wie Jason Moore, Andreas Malm und Nancy Fraser argumentieren, dass die Klimakrise die Folge eines kapitalistischen Wirtschaftssystems und damit verbundenen Lebensweisen ist, weil diese nicht ohne Wachstum und Externalisierung von Kosten – d.h. Kosten, die Produzent*innen und Konsument*innen verursachen, aber von der ganzen Gesellschaft getragen werden - funktionieren kann. Externalisierungen beziehen sich auf „Gratisleistungen“ wie natürliche Ressourcen, das Gemeinwesen und Reproduktion/Care-Arbeit und bilden die unhinterfragten Hintergrundbedingungen einer nicht-nachhaltigen Gesellschaft. Degele bietet einen Überblick über die Zusammenhänge von Externalisierung, Nicht-Nachhaltigkeit und Klimawandel über Geldwerte hinaus.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 2. Februar

09.02.2022: Mensch und Natur: Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunft einer Beziehung

Tandemvortrag mit Prof. Dr. Regine Kather, außerplanmäßige Professorin für Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Freiburg

Prof. Dr. Regine Kather: Natur als Prozess: Menschen als Teil und als Gegenspieler der Natur. 

Viele Debatten erwecken den Eindruck, dass die Natur stabil wäre, wäre da nicht der Mensch, der diese harmonische Ordnung durcheinander bringt… Doch auch ohne menschliche Eingriffe ist die Natur aufgrund vielfältiger Faktoren ein veränderliches System. Spätestens seit dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12 000 Jahren haben Menschen jedoch zunehmend Landschaften geprägt und Tiere sowie Pflanzen nach ihren Maßstäben gezüchtet. Seit der Industrialisierung sind Menschen vollends zu einem gestaltenden Faktor geworden. Wie können Menschen der Eigendynamik der Natur und damit dem Fortgang der Evolution weiterhin Freiraum geben? Prof. Regine Kather stellt eine Vielfalt an Naturschutzkonzepten vor, die von anthropozentrischen bis hin zu holistischen Ansätzen reichen.

Link zum Live-Stream der Veranstaltung am 9. Februar